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Schlaining/Österreich
Europäisches Museum für Frieden - Burg Schlaining/Österreich
Geschichte von Krieg und Frieden, von Kriegsursachen und Friedensbedingungen, von Gewaltvermeidung und Friedensgestaltung

Die Burg Schlaining, die das Friedens- museum beherbergt, wurde um 1230 zwischen dem Ostrand der Alpen und dem oberungarischen Tiefland erbaut. Auch das Europäische Universitätszentrum für Frie- densstudien (EPU), das die Grundlagen für das Friedensmuseum entwickelt hat, hat dort seinen Sitz. Fotos: Europäisches Museum für Frieden/Burg Schlaining, Stadtschlaining
Im östlichsten Teil Österreichs, im an die ungarische Grenze stoßenden Burgenland, hat sich noch zu Zeiten des nahen Eisernen Vorhangs auf der ehemaligen Grenzfestung Schlaining ein Friedenszentrum (ASPR) und die Europäische Friedensuniversität (European University Center for Peace Studies/EPU) etabliert. In engem Zusammenhang damit steht das Museum, das - aus dem österreichischen Beitrag zum Internationalen Jahr des Friedens 2000 entstanden - 2001 bereits einen Preis des österreichischen Bildungsministeriums erhalten hat. Der jahrhundertealte Brennpunkt verschiedenster Völker, Religionen und Kulturen eignet sich in hervorragender Weise für die hier stattfindende Friedensforschung und -erziehung.
In den Kellergewölben der 800jährigen Burg werden "Wege aus der Alltagsgewalt" beschrieben. Der Blick in die tieferliegende Kapellenbastei weist auf Informationen und Exponate zum Thema Kriegsgewalt.
Das Leitprinzip des Museums ist es, so formuliert es der Leiter, "mit seinem wissenschaftlichen, künstlerischen und pädagogischen Konzept einen kleinen Beitrag zum Entstehen des globalen Friedensbewusstseins" zu leisten. Dabei gründet sich das Museum auf ein umfassendes Friedensverständnis, indem es Freiheit und Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Erhaltung der natürlichen Umwelt umfasst und dabei die persönliche, gesellschaftliche und internationale Ebene berücksichtigt.
Im 2. Obergeschoss wird das Thema Frieden ausgestellt. Es geht um aktive Friedensarbeit auf individueller, institutioneller und inter- nationaler Ebene und die Erfolge, die hier erreicht werden können. Die Geschichte der Friedensschlüsse ist ebenso im Blick wie die Beiträge von Frauen und Künstlern seit der Antike.
Kern des Museums ist die ständige Ausstellung, die sich um die Grundthemen Gewalt, Konflikte und Frieden gruppiert. Der Begriff "Dauerausstellung" ist insofern nur bedingt richtig, als an den Inhalten laufend gearbeitet wird und immer neue, noch nicht präsentierte Themen vorgestellt werden können. Der Bereich "Gewalt" wird durch verschiedene Zugänge erschlossen, indem nach physischer, psychischer, struktureller und kultureller Gewalt gefragt und Gewalt in ihren historischen Ausformungen gezeigt wird. "Konflikte" - das zweite große Thema - steht unter dem Leitmotiv der Chance zu Veränderungen und dem Ansatz Konfliktbearbeitung. Das Thema Frieden verweist auf den Gegensatz zu Krieg und Gewalt, berücksichtigt aber auch alle den Frieden gefährdenden Verhältnisse in Gesellschaft und Wirtschaft.
Der Friedenspädagogik wird breiter Raum gegeben. Hier sieht man Kinder, die sich im Spiel als Kinderbotschafter aus Mosambik auf ihren Auftritt vor der UNO vorbereiten: sie machen sich stark für die Abschaffung von Kindersoldaten (Sommerworkshop 2002). Andere Workshops setzen sich z.B. mit "Kinder und Umwelt", "Kinder in Not" oder "Frieden und Kunst" auseinander.
Die pädagogische Arbeit des Museums ist nicht darauf gerichtet Heilslehren oder Rezepte zu vermitteln, sondern ein breites Publikum durch Information und Aufklärung in die Lage zu versetzen, eigene Einstellungen kritisch zu überprüfen, und durch Denkanstöße zu eigenständigem Handeln zu ermutigen. Langfristig ist geplant, das Friedensmuseum zu einem außerschulischen Lern- und Bildungsort für Kinder und Jugendliche auszubauen. Schon jetzt wird eine große Zahl von Programmen angeboten, die in Austausch und Zusammenarbeit mit den oben genannten wissenschaftlichen Einrichtungen durchgeführt werden und von altersgerechten Führungen bis zum Konflikttraining reichen. Für Programme mit Schüler-Aktivitäten stehen besondere Räume zur Verfügung. Die Mitarbeiter des Museums helfen Schulen auch direkt, Friedenserziehung, Präventionsarbeit oder Schulmediation zu fördern.
Das Sommerprogramm 2001 thematisierte u.a. Konflikte in aller Welt: Wie gingen die jeweiligen Länder damit um? Welche friedlichen Mittel kamen zum Einsatz? Wo gab es militärische Einsätze? Welche Möglichkeiten zur friedlichen Einigung wären denkbar gewesen?
Adresse:
Europäisches Museum für Frieden
Burg Schlaining
Rochusplatz 1
A-7461 Stadtschlaining
Tel.: 00 43/33 55/23 06
Fax: 00 43/33 55/23 06
E-Mail: museum@aspr.ac.at
Internet: http://www.aspr.ac.at/museum/museum.htm
(u.a. 2 Downloads "ABC der Konfliktbearbeitung" und "ABC der Mediation"
sowie Links zum Thema Frieden)
Öffnungszeiten:
Palmsonntag - 31. Oktober
Museum: Di-So 9.00-18.00 Uhr, montags geschlossen
Burg: Di-So 9.00-12.00 Uhr und 13.00-17.00 Uhr, montags geschlossen
Angebote (telefonische Anmeldung):
Altersgerechte Führung, auch mit Themenschwerpunkt
Einführung in die Arbeit des Friedensinstituts/Friedensbibliothek
Ganztägige Workshops (Themen z.B. Terror, Rassismus, Mediation)
Projekttage
Burg-Führungen: zu jeder vollen Stunde: 9.00, 10.00, 11.00 sowie 13.00, 14.00, 15.00, 16.00 Uhr
Informationen:
• Wolfgang Vogt u.a.: Krieg oder Frieden - Vom Kult der Gewalt zur Kultur des Friedens. Katalog der gleichnamigen Burgenländischen Landesausstellung auf der Burg Schlaining/Burgenland. Eisenstadt/Österreich 2000 (255 S., zahlreiche s/w und farbige Abb.) (fundierte Einführung in alle Fragen von Krieg und Frieden in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unter Einbeziehung literarischer, musikalischer und philosophischer Ansätze. Anteile von Frauen an der Friedens-Geschichte sowie die Rolle von Kindern im Krieg finden ebenfalls eine ausführliche Würdigung.)
• Aus der Reihe "Friedenserziehung konkret". Schulpraktische Handreichungen zur Friedenserziehung. Hrsg. vom Friedenszentrum Burg Schlaining:
- Mirko Wakouing und Werner Wintersteiner: Mit einander. Orientierungen für ein multikulturelles Österreich. Klagenfurt o. J. (100 S.)
- Rosana Halbkram-Lenz: Integration. Aktives, sozial-integratives Lernen. Klagenfurt o. J. (62 S.)
- Hans-Peter Graß: Reden wir über den Krieg. Diskussionsmethoden für Schule und Jugendarbeit am Beispiel des Kosovo-Krieges. Salzburg o. J. (88 S.)
- Gunther Seel und Werner Wintersteiner: Wege zum Du. Kreativität in der interkulturellen Erziehung. Salzburg o. J. (86 S.)
• Wilfried Graf u.a.: Frieden ist eine Aufgabe, die uns alle angeht. Eine Einführung in Friedensforschung und Friedenserziehung. Hrsg. vom Europäischen Museum für Frieden. Stadtschlaining 2001 (51 S.) • Eva Maringer und Reiner Steinweg: GewaltAuswegeSehen. Anregungen für den Abbau von Gewalt. Oberwart/Österreich 2002 (95 S. mit zahlreichen Fotos, Abb. und anderen Gestaltungselementen. Mit CD-ROM u.d.T. Wege aus der Alltagsgewalt. 25,00 € Buch und CD führen in die entsprechende Abteilung des Museums ein.)
Ergänzende Links:
• www.burgenland.at
Informationen über das Burgen- und Schlösserland an der Ost-Grenze Österreichs
• http://www.viaimperialis.at/memberpage_german.php?number=37
Informationen über die Burg Schlaining (historische Schauräume, umfangreiche Gemälde- und Mobiliensammlung, Eisenkunsthandwerk)
• http://www.aspr.ac.at/aspr.htm
Austrian Study Center for Peace and Conflict Resolution (ASPR), gegründet 1982
• http://www.aspr.ac.at/welcome.htm
European University Center for Peace Studies (EPU), 1988 gegründet von ASPR
• http://www.aspr.ac.at/asprvie/aussenstelle_wien.htm
Außenstelle Wien des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung
• www.unesco.at/akfrieden.htm
Kooperation zwischen dem Europäischen Universitätszentrum für Friedensstudien (EPU) und den europäischen UNESCO-Kommissionen
Amrei Stupperich, Hannover