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LERNORTE
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Raststatt
Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der
deutschen Geschichte, Rastatt
Den Traditionen von "Einigkeit und Recht und Freiheit" nachspüren
Nach den Verwüstungen Ludwigs XIV. im Zuge seiner "Reunionen" baute Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden eine erste barocke Planstadt mit Schloss und Befestigungsanlagen (1700-1705) auf deutschem Boden. Heute ist hier barocke Prachtenfaltung zu besichtigen und - am historischem Ort - eine Erinnerungsstätte für Freiheitsbewegungen und ein Museum für deutsche Militärgeschichte.
Fotos: Bundesarchiv Rastatt
Am 26. Juni 1974, 25 Jahre nach der Verabschiedung des Grundgesetzes, eröffnete der damalige Bundespräsident Gustav W. Heinemann die von ihm initiierte "Erinnerungsstätte" in Rastatt. Zum Ziel der Einrichtung betonte er: "Mir liegt daran, bewusst zu machen, dass unsere heutige Verfassung durchaus eigenständige Wurzeln hat und nicht nur eine Auflage der Sieger von 1945 ist. ... Freiheitlich-demokratische und rechtsstaatliche Sozialordnung war ein alter Traum auch in unserem Land. Unsere Geschichte ist nicht so arm an Freiheitsbewegungen, wie wir und andere uns oftmals einreden wollen." In diesem Sinne möchte die "Erinnerungsstätte" als "Lernort" arbeiten und "keine vermeintlich fertigen Ergebnisse und Antworten und auch keine Erfolgsgeschichte präsentieren; sie versteht sich vielmehr als Forum historisch-politischer Bildung, das am Beispiel der Freiheitskämpfe in der deutschen Geschichte sowohl den hohen Wert eines freiheitlichen Rechtsstaates als auch dessen permanente Gefährdungen bewusst machen will" (H. Weber, Bundesarchiv, 1974).
In Erinnerung an den Einsatz der badischen Soldaten für eine demokratische Verfassung und an das nachfolgende preußische Standgericht im Ahnensaal des Schlosses (1849) wurde von Bundespräsident Heinemann 1970 die Rastatter Residenz als Erinnerungsort vorgeschlagen
Anhand von Objekten und Inszenierungen sowie durch Bilder, Töne, Karten, Grafiken, Modelle, Projektionen und verbindende Texte werden die verschiedenen Freiheitsbewegungen in chronologischer Reihenfolge - Frühe Neuzeit, 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, 1848/Nationalversammlung/Grundrechte/Reichsverfassung, 1850-1918, Freiheitskämpfer in der Emigration, 1918-1945/NS-Zeit, 1945-1990/SBZ/DDR - vorgestellt. Der historische Zusammenhang soll deutlich werden lassen, welche gesellschaftlichen Gruppen die Bewegungen getragen haben und welche allgemeinen oder nur gruppenbezogenen Freiheitsziele angestrebt werden sollten. Inhaltlicher Schwerpunkt ist der Vormärz und die Revolution von 1848. Außerhalb der Chronologie stehen die Ausstellungen "Gustav W. Heinemann und Rastatt" und "Die Weiße Rose".
Das Kapitel "Frauen in der Revolution" verweist auf die Rolle, die Frauen vor und während der 48er Zeit spielten. Emma Herwegh (1817-1904) unterstützte nicht nur ihren Mann Georg Herwegh, sie sammelte auch die deutschen Flüchtlinge in Paris und initiierte die Aufstellung der "Deutschen Demokratischen Legion", die dem Hecker-Zug zu Hilfe kommen sollte.
Besonders zu betonen ist die Herausforderung, die in der Einfügung der Ausstellung in das Ambiente des Barockschlosses, das 1849 letzte Bastion der Freiheitskämpfer und anschließend Schauplatz des preußischen Standgerichts war, besteht. Für den Besucher entstehen aus dieser Ambivalenz fruchtbare Denkanstöße. Ein weiterer Aspekt ist die Einbeziehung des europäischen Charakters der 48er Revolution, u.a. sichtbar in den "bunten Haufen" der Revolutionsarmee. Schließlich ist darauf gesehen worden, dass die kämpferische Energie für Freiheit und Demokratie im 19. und 20. Jahrhundert, die zu einem nicht unerheblichen Teil von Frauen ausging, hier seine angemessene Würdigung findet.
Die kunstvolle Wahlurne für die Wahl zur Nationalversammlung, von der in der Ausstellung eine Nachbildung zu sehen ist, stand in Leutkirch im Allgäu. Die Wahlordnungen waren in den verschiedenen Bundesstaaten noch recht unterschiedlich - auf jeden Fall wählten nur Männer!
Schülerinnen und Schüler erhalten mit der deutschen Freiheitsgeschichte die Gelegenheit, sich mit der eigenen, der deutschen Geschichte positiv zu identifizieren. Die hier präsentierte kritisch reflektierte Freiheitsgeschichte stellt einen Baustein der kollektiven Identität dar, der nötig ist, damit sich nicht eine ganze Schülergeneration - der Katastrophengeschichte der letzten beiden Jahrzehnte überdrüssig - aus der Geschichte überhaupt verabschiedet.
Auf dem Weg zur Demokratie spielte die veröffentlichte Meinung eine immer größere Rolle. 1854 erwirkte der Drucker Litfaß beim Berliner Polizeipräsidenten die Erlaubnis zu "öffentlichem Zettelaushang an Säulen und Brunneneinfassungen". Hier ist eine Litfaßsäule mit Motiven der Jahre 1898 bis 1914 zu sehen.
Die friedliche Revolution von 1989 lebte nicht zuletzt von einer funktionierenden Kommunikation unter den Beteiligten. Die Zeitschrift "Blattwerk" besaß diese Druckmaschine, die die Haller Bürgerbewegung seit 1984 mit Informationen versorgte.
Adresse:
Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte Schloss Rastatt
Bundesarchiv, Außenstelle Rastatt
Herrenstr. 18/Schloss
76437 Rastatt
Tel.: 0 72 22/7 71 39-0
Fax: 0 72 22/7 71 39-7
E-Mail: erinnerung@barch.bund.de
Internet: www.erinnerungsstaette-rastatt.de
Öffnungszeiten:
Di-So 9.30-17.00 Uhr
Führungen und Zusatzangebote:
1. Sonderführungen (kostenlos) können vereinbart werden
2. Ständig verfügbare Filme in der Dauerausstellung:
"Wege zur Freiheit"
"Industrielle Revolution"
"Gustav W. Heinemann und die Erinnerungsstätte"
"Die Freiheit kommt aus Philadelphia" (30 min.; Von der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung bis 1848/49)
Filme die möglichst vorher vereinbart werden sollten:
"Lenz oder die Freiheit" (nach dem Roman von Stefan Heym über Geschichte der Badischen Revolution, 1849) "Die weiße Rose" (1942/43) (dazu ein gleichnamiger Führer durch die Ausstellung)
3. PC-gestützte Info-Systeme in der Ausstellung Die Nationalversammlung Die Badische Revolution Diese und andere Programme zur Geschichte der deutschen/europäischen Freiheitsbewegungen sowie die Datenbank sind im Lesesaal zugänglich
4. Raumblätter: Hilfe zum Verständnis der einzelnen Abteilungen, Bilder, Objekte, Inszenierungen
5. Didaktische Handreichung: In Vorbereitung.
Informationen:
Einigkeit und Recht und Freiheit. Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte. Katalog der ständigen Ausstellung. Hrsg. vom Bundesarchiv, Außenstelle Rastatt. Bönen/Westf. 2002. € 28,- (404 S., zahlr. s/w und farbige Abb.)
Grau, Ute, und Barbara Guttmann: Fahnensticken, patriotisches Einkaufen
und der "weibliche Terrorismus". Frauen in der Revolution von 1848/49 in Baden. Eggingen 2002. € 18,- (236 S.)
Wo bleiben die Grundrechte in Europa? Erwartungen und Bedenken. Hrsg. von der Gustav-Heinemann-Initiative. Stuttgart 2001
Ergänzende Links:
http://www.bundesarchiv.de/default.htm
(Informationen über die Aufgaben des Bundesarchivs in Koblenz und die Schwerpunkte der verschiedenen Außenstellen, von denen eine die Rastatter "Erinnerungsstätte" ist)
http://www.rastatt.de/produktion/Rastatt/WebSite/de/home/stadtinfo/stadtinfo.jsp
(Touristische Informationen der Stadt Rastatt, Angebot verschiedener Führungen, u.a. auf der "Historischen Route"/das barocke Rastatt; auf dem "Revolutionspfad"/Spuren der Freiheitsbewegung von 1848/49 und durch die "Festungsstadt Rastatt"/Festung mit Kasematten)
http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/staedte/rastatt
http://www.schloesser-magazin.de/ra/rath.htm
http://www.badenpage.de/tip/schloss_rastatt
(Informationen über die Barockresidenz des Markgrafen von Baden-Baden, in der sich die "Erinnerungsstätte" befindet).
Amrei Stupperich, Hannover