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Görlitz

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Schlesisches Museum zu Görlitz
Treffpunkt auf der Brücke zwischen den Völkern
 


Abb. 1: Das Haus zum Goldenen Baum (rechts) am Untermarkt gehört zu den Hallenhäusern, die der Altstadt ihr Gepräge geben. Eine Zentralhalle mit spätgotischem Netzgewölbe verbirgt sich hinter der Renaissance-Fassade von 1538. Hier ist seit Dezember 2001 der Sitz des Schlesischen Museums, bis 2005 die ständige Ausstellung im nahe gelegenen Schönhof eröffnet wird.


Das brandneue Museum in der geteilten Grenzstadt hat sich auf die Suche nach Schlesien begeben und ist gleich zur Eröffnung mit einer Fülle von anspruchsvollen Titeln bedacht worden, die das Programm des Museums bezeichnen: "Ein Museum, das Grenzen überwindet", soll "an der Nahtstelle Europas" entstehen, in einer "Brückenstadt an der Neiße", die dialogtauglich ist und nicht als eine rückwärtsgewandte Erinnerungsstätte missverstanden werden kann.


Abb. 2: Unter dem Titel "Auf der Suche nach Schlesien" stellt das Museum eine Zwischenbilanz beim Aufbau seiner Bestände vor. Trotz der Schwierigkeiten, ein ganz neues Museum zu bestücken, sind schon jetzt viele herausragende Objekte, die gute Einblicke in die Kulturgeschichte des Landes seit der Frühen Neuzeit geben, zu besichtigen.



Abb. 3: Biedermeiermöbel aus dem schlesischen Sommersitz der preußischen Königsfamilie, Schloss Erdmannsdorf, 1840


In dem kleinen Rest Oberlausitz ist ein Stück preußisches Schlesien bei Deutschland verblieben, von dem aus der Dialog mit Polen und Tschechien geführt werden soll. Die "Stiftung Schlesisches Museum" - getragen von der Bundesrepublik Deutschland, dem Freistaat Sachsen, der Stadt Görlitz und der Landsmannschaft Schlesien - hat als Ziel den "Aufbau eines zentralen Museums für Schlesien in Deutschland" definiert, das für die Sammlung, Präsentation und Erforschung schlesischen Kulturguts in Deutschland zuständig sein soll. Es wird "mit Partnern in Polen und Tschechien und für ein Publikum beiderseits der Grenze Ausstellungen organisieren, wissenschaftliche und menschliche Kontakte knüpfen, das Gespräch über Vergangenheit und Zukunft Schlesiens führen" (Ausstellungsflyer).


Abb. 4: An den Gebirgszügen Schlesiens mit den reichen Holzbeständen und Quarzvorkommen fanden Glashütten über Jahrhunderte hinweg gesicherte Existenzbedingungen. Von dem hohen Niveau der Glaserzeugnisse vermitteln Glaspokale aus dem 18. Jahrhundert einen lebhaften Eindruck (hier: Pokal mit Ansicht von "lieben Thal" im Riesengebirge und den Arbeitsabläufen bei der Tuchherstellung)


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Abb. 5: Königsorden der Breslauer Schützenbruderschaft (Meister Christian Menzel d. Ä., Breslau 1685, Silber vergoldet). Der Adler, ursprünglich mit einer Krone geschmückt, besitzt 162 Ösen, an denen früher die Namensschildchen der Schützenkönige aufgehängt waren.


Diese doppelte Aufgabe - grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf der einen Seite und neben dem Aufbau eines schlesischen Museums in Görlitz die Entwicklung eines Netzwerks aller schlesischen Museen und ihrer Bestände in der Bundesrepublik auf der anderen Seite - ist gewaltig. In Görlitz beruft man sich angesichts dieses Vorhabens auf die langjährige Tradition des friedlichen Nebeneinanders der Völker und Konfessionen in Schlesien, die erst durch den Nationalismus des 19. und die Katastrophen des 20. Jahrhunderts ruiniert worden sei. Die sprichwörtliche "schlesische Toleranz" gelte es wiederzubeleben und daraus Perspektiven zu entwickeln, die für ein erweitertes Europa erforderlich seien.


Abb. 6: Tabatiere aus emailliertem Kupfer, Berlin um 1760. Der Schmuck dieser Tabakdose besteht aus Emblemen König Friedrichs II. und den Daten entscheidender Schlachten in den Schlesischen Kriegen.


Der Anfang ist gemacht mit der Ausstellung "Auf der Suche nach Schlesien" im Haus zum "Goldenen Baum", durchweg deutsch und polnisch beschriftet. Wichtiges Prinzip ist die Orientierung auf ein internationales Publikum hin. Themen sind die Epochen schlesischer Geschichte vom späten 12. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, die nicht selten Brennpunkte europäischer Geschichte waren, so unter Friedrich II., durch die Bestimmungen im Versailler Vertrag und durch das Schicksal der aus Schlesien Vertriebenen und des polnischen Schlesien nach dem Zweiten Weltkrieg. Literatur-, Kunst- und Kulturgeschichte sowie Schlesien als Gewerbe- und Industrielandschaft lassen sich an den ausgestellten Objekten nachvollziehen: Keramik aus Bunzlau, Goldschmiedearbeiten aus der alten Hauptstadt Breslau, Glas aus dem sagenumwobenen Riesengebirge, dazu Gemälde und Grafiken aus verschiedenen Jahrhunderten sowie Dokumente und Gegenstände aus dem Alltag. Wenn das repräsentative Renaissancegebäude, der "Schönhof", als Hauptgebäude eröffnet werden kann, wird auch ein Informations- und Dokumentationszentrum zur Verfügung stehen. Schon jetzt kann das Museum aber das den Schülerinnen und Schülern fast unbekannte Land an der Oder als "Brücke zwischen den Völkern" ins historische Bewusstsein heben!


Abb. 7: Frühe Keramik aus Bunzlau: Schraubflasche und Melonenkrug (Hochgebrannte Irdenware mit Auflagen und Zinnmontierung, Bunzlau, Ende 17. Jahrhundert). Das Vorkommen qualitätvoller Rohstoffe und uralte Handwerkstraditionen begründeten Bunzlaus weltweiten Ruf als Stadt des "guten Tons".
Foto: Schlesisches Museum zu Görlitz


Adresse:
Schlesisches Museum zu Görlitz
Schönhof, Brüderstraße 8 und Haus zum "Goldenen Baum", Untermarkt 4
Verwaltung: Otto-Müller-Straße 7
02826 Görlitz
Tel.: 0 35 81/40 62 15
Fax: 0 35 81/40 62 37
mobil: 01 74/9 79 32 50


Achtung! Änderung ab 1.4.2002:


Tel.: 0 35 81/87 91-0
Fax: 0 3581/87 91-2 00
E-Mail: schlesisches.museum.goerlitz@t-online.de
Internet: www.schlesisches-museum.de


Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr



Führungen:

Anmeldung 3 Tage vorher erwünscht (Tel. 0 35 81/40 62 15).


Kosten für Jugendgruppen: pauschal EUR 15,- inkl. Führung


Schulklassen aus Görlitz haben freien Eintritt!


Informationen:

• Auf der Suche nach Schlesien. Zwischenbilanz beim Aufbau des Museums. Katalog zur Ausstellung. Hrsg. von der Stiftung Schlesisches Museum zu Görlitz. Halle/Saale 2001. EUR 3,- (61 S. mit Abb.)


• "Und dann mußten wir raus". Wanderungen durch das Gedächtnis. Von Vertreibungen der Polen und Deutschen. 1939-1949. Broschüre zur Ausstellung vom 1.9.-20.10.2001 in der Nikolaistraße Görlitz. Hrsg. von Ewa Czerwiakowski, Martina Pietsch, Wanja W. Ronge 2001. EUR 1,- (31 S. mit einer Karte)


• Norbert Conrads, Universität Stuttgart: Ansprache zur Eröffnung des Schlesischen Museums zu Görlitz am 15. Dezember 2001 im Rathaus zu Görlitz (http://www.schlesisches-museum.de/html/redeconr.htm)


Amrei Stupperich, Hannover