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Energie und nachhaltige Entwicklung
Liebe Leserin, lieber Leser!
Wege und Risiken der Energieversorgung werden in den kommenden Jahrzehnten einen weitreichenden Einfluss haben, nicht nur auf die globale Ökonomie, sondern auf alle Lebensbereiche. Kein anderes Themenfeld - vielleicht mit Ausnahme des Wassers - eröffnet einen so dringenden und zugleich scheinbar "bodenlosen... mehr
Elmar Altvater
Das fossile Energiesystem kann nicht nachhaltig sein
Die Erde wurde, das ist die eigentliche kapitalistische Revolution, aus einem offenen Energiesystem, in dem alles Leben einschließlich der menschlichen Gesellschaften von einer externen und unerschöpflichen Energiequelle abhängig sind, in ein geschlossenes Energiesystem verwandelt. Die Energie, die das Leben ermöglicht, stammt zwar zu fast 100 Prozent von der Sonne; die Energie, die den kapitalistischen Arbeits- und Produktionsprozess antreibt, stammt hingegen zum allergrößten Teil aus den Beständen fossiler Energieträger in der Erdkruste. Die Emissionen, die bei der Energiewandlung unvermeidlich anfallen, verbleiben auf der Erde. Sie reichern die Atmosphäre mit Treibhausgasen an.
Die Konsequenzen des Übergangs von einem offenen zu einem geschlossenen Energiesystem sind gravierend, und daher stellt sich die Frage, warum die menschlichen Gesellschaften das solare und offene und letztlich unerschöpfliche durch das fossile, geschlossene und erschöpfliche Energiesystem überhaupt ausgetauscht haben....
Redaktion
Energie-Wende. Eine politische Herausforderung
Hildegard Müller und Jürgen Trittin antworten auf Fragen von Praxis Politik.
Dass sich die fossile Energieversorgung weitgehend erschöpft hat, wird mittlerweile kaum mehr bestritten. Unstrittig ist auch, dass der Energieverbrauch vor allem in den Industrieländern gedrosselt werden muss. Aber, so Elmar Altvater in dieser Ausgabe der Zeitschrift Praxis Politik: „Darauf bereitet sich heute niemand vor.“ Prononciert formuliert Hermann-Josef Wagner, Professor für Energiesysteme und Energiewirtschaft in einer Studie des „Forums für Verantwortung“: „Kaum etwas ist explosiver als die Energiefrage der Zukunft“.
Um diese Frage geht es in dem Praxis-Politik Interview, in dem mit Hildegard Müller und Jürgen Trittin zwei prominente Diskussionspartner ihre kontroversen Ansichten äußern. Es ist als eigenständiges Material – auch in Auszügen – im Unterricht gut für die diskursive Auseinandersetzung einsetzbar.
Ralph Barie
Klimadetektive in der Schule
Die Verfügbarkeit von Energie ist eine existenzielle Frage der Menschheit. Energieversorgung ist eine wesentliche Grundlage für wirtschaftliches Handeln und für eine gesunde gesellschaftliche Entwicklung. Die Folgen des weltweit ungebremst steigenden Energieverbrauchs aber sind die negativen Begleiter „Treibhauseffekt und Klimakatastrophe“. Wird es gelingen, den Ausstoß klimaschädlicher Gase bis 2050 weltweit zu begrenzen?
1992 hat die Umweltkonferenz der Regierungschefs der Mitglieder der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro die nachhaltige Entwicklung als Leitbild festgelegt. Danach müssen wir darauf achten, dass auch zukünftige Generationen noch ihren Bedürfnissen nachkommen können.
Die Politik schafft mit geeigneten Instrumenten Anreize für den privaten Bereich, um Energie zu sparen. Warum das Thema auch für den Unterricht interessant ist, soll der folgende Entwurf verdeutlichen.Die Schule kann als Ort der Auseinandersetzung mit dem Thema als Lern- und Erfahrungsort und als Informationsmittler fungieren. An vielen Schulen finden bereits Projekte und Aktionen zum verantwortungsbewussten und sparsamen Umgang mit Energie statt.
Jan Weber
Gründung eines Bioenergiedorfes
Auf dem Weg in eine nachhaltiges Energiezeitalter?
Mit der Lernmethode „Planen und Entscheiden“ lokale Energieprojekte untersuchen
Unsere Energieversorgung auf der Basis fossiler Brennstoffe steht aufgrund ihrer Endlichkeit und vor allem der von ihnen ausgehenden Klimagefahr in der Kritik – unklar und umstritten ist jedoch, auf welche Weise eine „Energiewende“ herbeigeführt werden kann. Der Unterrichtsbeitrag fokussiert Bioenergiedörfer als lokale und bürgernahe Antworten auf diese energiepolitischen Herausforderungen und bezieht sie auf das Leitbild der Nachhaltigkeit.
Tim Kirchner
Desertec: Strom aus Afrika
Das Solarprojekt als Lösung des Energiebedarfs?
Den Energiehunger unserer Gesellschaft sättigen, dazu beitragen soll das Projekt ‚Desertec‘ – und wie der Name bereits vermuten lässt, findet es seinen Ursprung in der Wüste, genauer gesagt in der Sahara. Es handelt sich um die Idee, innerhalb der nächsten 40 Jahre (zunächst nur) 50% des anfallenden Strombedarfs in der EUMENA Region (Europe, the Middle East, North Africa) durch solarthermische Technologien, abzudecken. Die Verantwortlichen bei Desertec – übrigends ein Konsortium der Deutschen Gesellschaft des CLUB OF ROME und Mitgliedern des TREC-Netzwerkes aus vier Kontinenten – verweisen darauf, dass es ausreichen würde, lediglich drei Tausendstel der weltweit ca. 40 Mio. km2 an Wüstenfläche mit solarthermischen Kraftwerken auszustatten, um den heutigen globalen Strombedarf zu decken.
Dass hinter dem ansonsten so mensch- und umweltfreundlichen Weltrettungskonzept auch harte finanzielle und politische Interessen stehen, wird bei einem zweiten Blick in das so genannte Red Paper von Desertec deutlich. So heißt es etwa auf Seite 12: „Die DESERTEC Foundation bündelt politische, ökonomische und zivilgesellschaftliche Interessen an Energie- und Klimasicherheit, und verhilft ihnen dadurch zu mehr politischem Einfluss. […] Außerdem leistet sie Politikberatung auf nationaler und supranationaler Ebene in Europa, dem MENA-Raum und weltweit, um zusammen mit Gesetzgebern und einflussreichen gesellschaftlichen Akteuren die Implementierung des DESERTEC Konzepts voranzubringen.“ Ist dieses Projekt tatsächlich ein Weg, sowohl ökologisch als auch sozial verträglich (und das bedeutet: in Afrika UND Europa) den Energiebedarf zu decken?
Egbert Klöckner
Der deutsche Strommarkt
Kartell der „Abzocker“?
1998 wurden Jahrzehnte alte staatlich kontrollierte Gebietsmonopole aufgelöst, Endkunden sollten von nun an auf dem Markt „ihren“ Stromanbieter frei wählen. Dadurch sollten Produktivitätspotenziale mit strompreissenkender Wirkung initiiert werden bei gleichzeitiger Versorgungssicherheit. Erreicht wurde jedoch das Gegenteil: An die Stelle der ehemals acht großen Energiekonzernen traten, da keine überwachende Regulierungsbehörde geschaffen wurde, vier noch größere Unternehmen, die heute über 80 Prozent der Stromerzeugung und einen fast ebenso großen Anteil bei der Stromversorgung der Endkunden kontrollieren.
Durch die Einrichtung der Strombörse EEX 2002 in Leipzig wurde Strom zu einer Ware, die frei gehandelt werden kann. Das Prinzip ist einfach: Der teuerste Anbieter gibt den Kurs für die anderen vor. Hier haben die großen Konzerne mit ihren längst abgeschriebenen Atom- und Kohlekraftwerken besonders leichtes Spiel, bei geringen Kosten hohe Preise zu erzielen. Zudem macht immer wieder der Verdacht von Marktmanipulation und Preisabsprachen die Runde.
Trotz Schaffung einer Regulierungsbehörde (2005) und zahlreicher Bemühungen der EU-Kommission, sind die Kraftwerke noch immer in fester Hand der vier großen Versorger. Mit der geplanten Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke wird deren marktbeherrschende Stellung weiter verfestigt und ausgebaut; Extra-Profite von schätzungsweise 85 Mrd. Euro und Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent und mehr winken, die es auch leicht machen, auf inzwischen unrentable „Stromautobahnen“ zu verzichten, zumal hohe Investitionen hier in der Zukunft erforderlich sein werden.
Der Markt wird’s schon richten, das Credo seit der Liberalisierung 1998. Hat es der Markt nun gerichtet? Oder: Warum ha er es nicht?
Andrea Ahr
Brücke ohne Bodenhaftung?
Die aktuelle Kontroverse zum Atomausstieg vor dem Konzept Nachhaltiger Entwicklung
Der Anti-Atom-Bewegung gelingt im April diesen Jahres die Mobilisierung großer Menschenmengen: Menschenketten über 120 km, zeitgleich mit anderen Demonstrationen. Von einem „Comeback“ der Anti-Atomkraft-Bewegung ist die Rede. Unweigerlich stellt sich die Frage: Warum und wozu die plötzliche Aufregung? Offiziell hat keiner von den Vereinbarungen des Koalitionsvertrags Abstand genommen. Und der 2009 kreierte Terminus „Brückentechnologie“ zur Bezeichnung der Atomenergie ist mit dem 2000 vereinbarten Atomkonsens, in dem die Höchstmenge des durch Kernenergie zu produzierenden Stroms gemeinsam mit den vier großen deutschen Energiekonzernen festgelegt wurde, kompatibel: 2000 war klar, dass nicht sofort alle Atomkraftwerke stillgelegt werden können, sondern die atomare Stromerzeugung so lange „überbrücken“ muss, bis man mit den ausgebauten erneuerbaren Energien verlässlichen Boden unter den Füßen haben würde.
Dietrich Heither
Green New Deal?
Energiepolitik am Ende des fossilen Zeitalters
Im Zentrum dieses Beitrags steht die Zukunft der Energieversorgung, der auch im Kontext des Klimaschutzes (Kopenhagen) eine wichtige Bedeutung beigemessen wird. Gewichtige Fragestellungen lauten in diesem Zusammenhang:
- Wie ist das Verhältnis von Klimaschutz, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit auszubalancieren?
- Wie kann das ökonomische und das eng damit verbundene energetische Ungleichgewicht zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zukünftig verringert werden?
- Welches sind die energiepolitischen Eckpfeiler einer Energieversorgung im 21. Jahrhundert?
- Wie gestaltet sich der Übergang von der fossilen zur erneuerbaren Energie politisch? Welche Aufgabe hat hierbei der Staat?